Kommentar:
Ausladung ist kein Zufall!

Was würde wohl Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer zu diesem Buch-Stopp sagen? Die Publikationen des Journalisten und Autors, der 1832 in Hambach für die Meinungs- und Pressefreiheit stritt, wurden ebenfalls oft unterdrückt und verboten. Es scheint, dass wir heute in Deutschland fast schon wieder ähnliche Zustände haben. Die Fälle häufen sich, dass Werke von Journalisten und Schriftstellern nicht erscheinen dürfen, weil sie dem mainstream einfach nichts ins politische Konzept passen. „Es gibt kaum noch Möglichkeiten, mit einer nicht-konformen Meinung durch die nahezu vollständige Blockade-Haltung der Medien durchzudringen“, meint Finanzwissenschaftler Max Otte.

Nun, wir leben in einer Marktwirtschaft, und ein Verlag kann ein Produkt, auch wenn er es eigentlich verkaufen wollte, nachträglich canceln. Doch leider fehlt dafür oft eine sachliche Begründung. Man kann nur mutmaßen. War das Buch politisch nicht erwünscht? Solche Entscheidungen schaden auch dem Leser, der eine alternative Literatur schätzt. Literatur leben von der spürbaren Breite der Meinungen! Vergessen wir nicht, Deutschlands „Kulturszene“ ist eine, die ohne die ungezählten Förderprogramme, Druckkostenzuschüsse, ministerielle Aufträge längst pleite wäre. Und diese Branche wird noch mit Milliarden von Steuergeldern unterstützt. Trotzdem nennt sich diese Szene „unabhängig“ – und bekämpft oft andere Denkrichtungen mit allen Mitteln.

Die Branche jammert über schlechte Geschäfte, rückläufige Verkaufszahlen. Dazu passt, dass die für Mai geplante Leipziger Buchmesse abgesagt wurde. „Eine wichtige Bücherschau für Literaten und Lesefans fällt aus. Das Messe-Aus trifft die Branche hart“, so Karin Schmidt-Frederichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Bücher verlieren zum zweiten Mal im Frühjahr eine wichtige Plattform für ihre Sichtbarkeit.“ Ja, das kann man wohl sagen. Umso bedauerlicher, dass wahrhaftige, erfolgversprechende Bücher von einigen Verlagen ausgebootet werden. Da trifft Ottes Buchtitel den Nagel auf den Kopf: „Die Krise hält sich nicht an Regeln“.

Herzlichst

Ihr
Peter Hain