Mutmacher-Buch des Monats

„Die Krise hält sich nicht an Regeln!“

Die Weltwirtschaft in der Dauerkrise. Die Corona-Krise könnte das System endgültig überfordern. Bestseller-Autor Max Otte, der die Finanzkrise 2008 vorausgesagt und Ende 2019 eine Weltsystemkrise angekündigt hatte (Buch „Weltsystemcrash“ im Shop, 24,99 Euro), liefert eine schonungslose Bestandsaufnahme der überschuldeten Welt, die durch soziale und geopolitische Probleme am Abgrund steht. Otte weist auf die Gefahren hin, die den finanziellen Rücklagen der Bürger drohen, gibt dem Anleger zahlreiche Tipps, wie er sein Vermögen schützen und sicher durch die Krise bringen kann.

Die Krise hält sich nicht an Regeln –
99 Antworten auf die wichtigsten Fragen nach dem Corona-Crash

www.max-otte.de/krise

ISBN: 978-3-43021-049-2
256 Seiten, gebunden 20,00 €, kindle: 15,00 €

Ja, er Buchtitel ist aktueller denn je. Weniger denn je scheint es noch Regeln zu geben. Die Verwirrung hat weiter zugenommen. So ist es eminent wichtig, dass es Autoren wie Otte gibt, die aufzuklären wollen. Denn materieller Wohlstand ist keine Zufälligkeit, er ist nicht selbstverständlich. Er hängt vielmehr von einer Reihe von Bedingungen ab. Nicht nur von den Faktoren Arbeit und Kapital, sondern vor allem auch der Freiheit des Menschen, dem „gleichen Recht für alle“ und Frieden. Und nochmal: Wir brauchen Regeln, um frei und erfolgreich zu sein!

Bei dem Autor Otte gefällt mir, wenn er in seinen Finanzbüchern den „menschlichen Faktor“ berücksichtigt. Er sieht die soziale Verantwortung für das Hab und Gut der Bürger, bettet seine Investitionen ein in die politische, gesellschaftliche Situation des Landes. Eigentlich möchte Otte kein Crashprophet sein: „Ich sehe mich als Beobachter der menschlichen Natur, als Beobachter der Geschichte, der Politik, auch als aktiven Investor an den Kapitalmärkten, und ich möchte meine Standpunkte erklären.“

Klar, in seinem Buch nehmen die Antworten auf finanztechnische Fragen den größten Raum ein, da sollte man nicht zu viel verraten. Nur so viel: Unbedingt lesen! Der erfolgreiche Fondsmanager weist darauf hin, dass man letztlich seinen eigenen Weg finden muss, möchte aber auch Hinweise geben: 1. Die praktische Vernunft pflegen, 2. Bücher lesen, insbesondere die Klassiker – gerade in Zeiten der Digitalisierung, 3. Glaube und Tradition und 4. soziales Kapital anhäufen.

Anmerkung: Kurz vor Veröffentlichung hat der ECON-Verlag das neue Otte-Buch plötzlich gestoppt. Das Werk wurde kurz vor Erscheinen aus dem Programm geworfen, nachdem bereits alles fertig produziert war. Zum Glück ist der Finanzbuch-Verlag eingesprungen, so dass das Buch ohne Verzögerung erscheinen konnte. Siehe dazu auch der Kommentar: Ausladung ist kein Zufall

Neue Serie (Folge 2): Deutsche Patrioten

Johannes Fitz, der Parade-Patriot

Hambacher, Unternehmer, Liedermacher, Rebell: Der Pfälzer aus Bad Dürkheim und Mitorganisator des Hambacher Festes 1832 stritt an vielen Fronten: für Presse- und Meinungsfreiheit, soziale Gerechtigkeit, Steuererleichterung für Winzer und Mittelstand. Auch ein Mann der Tat, denn er befreite inhaftierte Hambach-Patrioten. Am 16. Mai jährt sich sein Todestag zum 135. Male. Der aufrechte Fitz hätte uns auch heute noch viel zu sagen …

„Darum ist in uns‘rer Not,
nur wer trinkt ein Patriot.“
                     Johannes Fitz (1796 – 1868)

Der leidenschaftliche Rebell

Unter der Führung von Johannes Fitz beteiligten sich 1832 am Hambacher Fest etwa 500 Bürger aus Bad Dürkheim und Umgebung. Der Marschchor sang das populäre Winzerlied, das Fitz extra für Hambach schrieb. „Schon um neun Uhr war am 27. Mai der ganze Burgberg mit einem bunten Gewühle von Menschen bedeckt. Kokardenbuben hielten den Andrängenden ihre leichte dreifarbige Ware mit jubelnden Freiheitsrufen entgegen“, schrieb der Hambacher Pfarrer Frank Xaver Remling. Große Aufmerksamkeit erregte die legendäre schwarze Fahne der Dürkheimer an der Spitze des Zuges mit der Inschrift: „Die Weinbauren müssen trauren.“ In der sturmbewegten Zeit der 1830er Jahre führten die Winzer erbitterte Klage gegen den damals bestehenden hohen Zoll auf Wein.

Der Stadtrat und Sozialpolitiker

Bei seiner Kandidatur 1829 zum Dürkheimer Stadtrat erhielt Fitz die meisten Stimmen, wurde zum Adjunkten und Polizeikommissär ernannt. Weil aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse die Zahl der Verbrechen deutlich stieg, engagierte sich Fitz vor allem für soziale Reformen im Armenwesen. So wollte er die Armenfürsorge von Spenden unabhängig machen. Gleichzeitig war geplant, eine Unterstützungsanstalt für die Armen zu gründen sowie für eine effizientere und bedarfsgerechtere Verteilung der Hilfsmittel zu sorgen. Doch mit seinen Vorschlägen konnte sich Fitz gegenüber dem Stadtrat nicht durchsetzen. Oft half er den Notleidenden mit eigenen Mitteln. Nicht leicht, denn Fitz (zwei Ehen, zehn Kinder) musste selbst um seine wirtschaftliche Existenz kämpfen. 

Der Kämpfer für Meinungsfreiheit

Der Dürkheimer kämpfte auch vehement für die Journalisten und die Pressefreiheit. So war er Gründungsmitglied des „Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins“. Die Organisation bemühte sich um eine deutschlandweite Neuordnung der liberalen Protestbewegungen und die Gründung liberaler Zeitungen. Fitz war Teilnehmer an konspirativen Sitzungen, gab Informationen weiter, schrieb auch Artikel. Zusammen mit Friedrich Wilhelm Knoebel rief er auch das Dürkheimer Filialkomitee ins Leben. Doch kurz nach dem Verbot des Vereins am 1. März 1832 verkündete Fitz öffentlich seinen Rücktritt von seinen Ämtern, blieb aber im Dürkheimer Stadtrat.

Der Autor und Liedermacher

Seine „Karriere“ als Protest-Liedschreiber begann Johannes Fitz schon vor dem Hambacher Fest. Sein erster Liedtext ist die „Michaelis-Hymne“. Ein Stück zu Ehren des Schutzpatrons des Dürkheimer Michaelis-Marktes, ein Vorläufer des Dürkheimer Wurstmarktes. Lieder als Ausdruck volkstümlichen Protestes gegen die Obrigkeit erfreuten sich damals großer Beliebtheit. So konnte man auf einprägsame Weise seinen Unmut über herrschende Missstände Ausdruck verleihen. Bemerkenswert die große Dichtkunst von Fitz, vor allem sein Winzerlied für das Hambacher Fest.

Der Siebenpfeiffer-Befreier

Schon vor dem Hambacher Fest rebelliert Fitz gegen die Obrigkeit, trifft sich mit Gleichgesinnten. So mit dem Heidelberger Studenten Karl Heinrich Brüggemann, der ein Jahr vor Hambach, am 1. Juli 1831, auf der nahegelegenen Dürkheimer Klosterruine Limburg eine flammende Rede hält und zum Aufstand aufstachelt. Brüggemann wurde später zum Tode verurteilt, doch bald darauf begnadigt. Im September 1832 beteiligt sich Fitz auch an der spektakulären Befreiung des Hambach-Patrioten Jacob Venedey aus dem Gefängnis in Frankenthal, organisiert seine Flucht nach Frankreich. Es wird sogar vermutet, dass Fitz auch an der Befreiung von Siebenpfeiffer beteiligt war, der ebenfalls im Frankenthaler Gefängnis einsaß. Aufgrund seiner Aktivitäten wurden gegen Fitz mehrere Prozesse angestrengt. Er muss nach Straßburg und Paris fliehen, um sich der drohenden Verhaftung zu entziehen. 1834 verurteilt man ihn in letzter Instanz in München zu neun Monaten Haft, die er aufgrund eines Gnadengesuches nur zum Teil verbüßen muss.

Der Sekt-Produzent

Ab 1832 unterhielt Fitz im benachbarten Pfeffingen ein Weingut. Zusammen mit seinem Cousin Georg Peter Fitz, der selbst ein Weingut betrieb, beschäftigte er sich mit der Sektproduktion. Angeregt wurde Fitz vor allem durch seine Aufenthalte in Frankreich, wo er sich über die Herstellung von Champagner informierte. 1837 kam der erste „Moussirende Haardt-Gebirgswein“ auf den Markt. Danach avancierte das Weingut zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten. Die Familie wurde sogar mit einem Verdienstorden geehrt. Aber dem Patrioten blieb dies aufgrund seiner politischen Vergangenheit verwehrt. Dennoch war er als Unternehmer sehr erfolgreich: In den 1860er Jahren exportierte das Weingut Fitz Sekt und Wein in die USA, unter anderem nach Cleveland und New York.

Gedenktag „Johannes Fitz“,
der vor 135 Jahren starb

Am 16. Mai 1868 starb Johannes Fitz im Alter von 72 Jahren im Dürkheimer Nachbarort Pfeffingen. Auf dem alten Ungsteiner Friedhof fand er seine letzte Ruhe. Doch kein Grabstein erinnert an den Patrioten. Die letzte Ruhestätte liegt unter einem Container für Grünabfall. Im nationalliberalen „Frankfurter Journal“ gedachte man damals seines Ablebens: „In Pfäffingen (…) bei Dürkheim starb Johannes Fitz, der Dichter und Bannerträger des Hambacher Festes (…). In Staat und Kirche, in der Gemeinde und Schule, von frühester Jugend an im besten Sinne tätig, blieb er bis an sein Ende mit seinem klaren Geiste dem edelsten Wollen treu.“  

Info zum Thema

Das Erbe für die
Nachfahren bewahrt

Die traditionsreiche Geschichte
der Dürkheimer Fitz-Familie

Das Weingut Fitz-Ritter in Bad Dürkheim kann wie kaum ein anderes noch bestehendes Weingut auf eine so bewegte Historie zurückblicken. Dem Hambacher Rebell Johannes Fitz folgten viele erfolgreiche Nachkommen. So führte Konrad Fitz mit seiner Frau Alice den Betrieb in über 40 Jahren zu internationaler Anerkennung. 2007 übernahm Johann Fitz von dem Senior das berühmte Weingut. Eine Konstante bei Fitz-Ritter ist der Blick über den Tellerrand, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen. Motto: Weltgewandt und trotzdem bodenständig. „Unsere Vorfahren reisten schon immer um die ganze Welt. Nur so kann man ein Feingefühl und Wertschätzung für das Regionale und Lokale entwickeln“, sagt Johann Fitz, der das Familienunternehmen jetzt in neunter Generation führt.  

Patrioten-Wein „Revoluzzer“: Die 25 Hektar Rebfläche bewirtschaftet man ökologisch. Fitz-Spitzenweine wurden oft prämiert (u. a. Riesling, Weiß- und Spätburgunder). Highlights sind der Fitz-Sekt oder die Patriotenweine wie „Roter Fitz“ (Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und St. Laurent) und „Revoluzzer“ (Cabernet Sauvignon, Merlot, Spätburgunder und Acolon). Alle in Pfälzer Eichenholzfässern gereift. Besucher sind herzlich eingeladen:  Sektmuseum, Vinothek, Flaschen-Schatzkammer und Holzfass-Keller sind einige der Attraktionen. Auskunft: info@fitz-ritter.de oder facebook.com/fitz-ritter

Aktueller Tipp: Empfehlenswert das Buch zum Thema: „Johannes Fitz, genannt der Rote“. Ausführliche Dokumentation vom Leben und Kampf des Freiheitshelden. Den Autoren Britta Hallmann-Preuß, Georg Karl Rings und Fritz Schumann gelang mit Text und erstmals veröffentlichten Bildern ein historisches Standardwerk der Extraklasse. Beilage zum Buch: CD „Johannes Fitz – Sieben deutsche demokratische Gesänge“, gesetzt von Nors S. Josephson, (u.a. mit Winzerlied, Deutsches Mailied). Eigenverlag, Stadt Bad Dürkheim, info@bad-duerkheim.de

Größtes Weinfass der Welt, größtes Weinfest der Welt, Kohls Spezialität „Saumagen“: Gleich gegenüber vom Weingut Fitz an der Weinstraße Nord steht das größte Holzfass der Welt. Fassungsvermögen: 1,700.000 Liter, allerdings befindet sich in diesem Fass kein Rebensaft, sondern ein Restaurant,  Spezialität: Helmut Kohls „Saumagen“. Direkt daneben der große Festplatz, wo im September der „Dürkheimer Wurstmarkt“ stattfindet, das größte Weinfest der Welt. Der Wurstmarkt ging traditionell aus dem Michaelismarkt hervor, für den Johannes Fitz die „Michaelis-Hymne“ schrieb. Als Motto verwendete Fitz den Spruch: „Wo man singt, da lasst euch ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“.