Zitat zur Zeit

Rettet die bedrängte Freiheit! Wagt es keiner, mir beizuspringen? Ist kein wahrhafter Freier da? Keiner, der nach Tugend strebt? Das Gute liebt? Den Trug hasst? Das Recht in Ehren hält? Den Frevel verabscheut? Mit einem Wort: Ist kein echter Deutscher da?“
Ulrich von Hutten (1488 – 1523)  
Leben und Werk des fränkischen Ritters und Humanisten sind besonders verbunden mit der Geschichte des deutschen Nationalbewusstseins. Hutten gilt als „Auferwecker der Nation“, als ein Streiter für Freiheit und Wahrheit

Kommentar:
Ausladung ist kein Zufall!

Was würde wohl Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer zu diesem Buch-Stopp sagen? Die Publikationen des Journalisten und Autors, der 1832 in Hambach für die Meinungs- und Pressefreiheit stritt, wurden ebenfalls oft unterdrückt und verboten. Es scheint, dass wir heute in Deutschland fast schon wieder ähnliche Zustände haben. Die Fälle häufen sich, dass Werke von Journalisten und Schriftstellern nicht erscheinen dürfen, weil sie dem mainstream einfach nichts ins politische Konzept passen. „Es gibt kaum noch Möglichkeiten, mit einer nicht-konformen Meinung durch die nahezu vollständige Blockade-Haltung der Medien durchzudringen“, meint Finanzwissenschaftler Max Otte.

Nun, wir leben in einer Marktwirtschaft, und ein Verlag kann ein Produkt, auch wenn er es eigentlich verkaufen wollte, nachträglich canceln. Doch leider fehlt dafür oft eine sachliche Begründung. Man kann nur mutmaßen. War das Buch politisch nicht erwünscht? Solche Entscheidungen schaden auch dem Leser, der eine alternative Literatur schätzt. Literatur leben von der spürbaren Breite der Meinungen! Vergessen wir nicht, Deutschlands „Kulturszene“ ist eine, die ohne die ungezählten Förderprogramme, Druckkostenzuschüsse, ministerielle Aufträge längst pleite wäre. Und diese Branche wird noch mit Milliarden von Steuergeldern unterstützt. Trotzdem nennt sich diese Szene „unabhängig“ – und bekämpft oft andere Denkrichtungen mit allen Mitteln.

Die Branche jammert über schlechte Geschäfte, rückläufige Verkaufszahlen. Dazu passt, dass die für Mai geplante Leipziger Buchmesse abgesagt wurde. „Eine wichtige Bücherschau für Literaten und Lesefans fällt aus. Das Messe-Aus trifft die Branche hart“, so Karin Schmidt-Frederichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Bücher verlieren zum zweiten Mal im Frühjahr eine wichtige Plattform für ihre Sichtbarkeit.“ Ja, das kann man wohl sagen. Umso bedauerlicher, dass wahrhaftige, erfolgversprechende Bücher von einigen Verlagen ausgebootet werden. Da trifft Ottes Buchtitel den Nagel auf den Kopf: „Die Krise hält sich nicht an Regeln“.

Herzlichst

Ihr
Peter Hain  

Neue Serie (Folge 2): Deutsche Patrioten

Johannes Fitz, der Parade-Patriot

Hambacher, Unternehmer, Liedermacher, Rebell: Der Pfälzer aus Bad Dürkheim und Mitorganisator des Hambacher Festes 1832 stritt an vielen Fronten: für Presse- und Meinungsfreiheit, soziale Gerechtigkeit, Steuererleichterung für Winzer und Mittelstand. Auch ein Mann der Tat, denn er befreite inhaftierte Hambach-Patrioten. Am 16. Mai jährt sich sein Todestag zum 135. Male. Der aufrechte Fitz hätte uns auch heute noch viel zu sagen …

„Darum ist in uns‘rer Not,
nur wer trinkt ein Patriot.“
                     Johannes Fitz (1796 – 1868)

Der leidenschaftliche Rebell

Unter der Führung von Johannes Fitz beteiligten sich 1832 am Hambacher Fest etwa 500 Bürger aus Bad Dürkheim und Umgebung. Der Marschchor sang das populäre Winzerlied, das Fitz extra für Hambach schrieb. „Schon um neun Uhr war am 27. Mai der ganze Burgberg mit einem bunten Gewühle von Menschen bedeckt. Kokardenbuben hielten den Andrängenden ihre leichte dreifarbige Ware mit jubelnden Freiheitsrufen entgegen“, schrieb der Hambacher Pfarrer Frank Xaver Remling. Große Aufmerksamkeit erregte die legendäre schwarze Fahne der Dürkheimer an der Spitze des Zuges mit der Inschrift: „Die Weinbauren müssen trauren.“ In der sturmbewegten Zeit der 1830er Jahre führten die Winzer erbitterte Klage gegen den damals bestehenden hohen Zoll auf Wein.

Der Stadtrat und Sozialpolitiker

Bei seiner Kandidatur 1829 zum Dürkheimer Stadtrat erhielt Fitz die meisten Stimmen, wurde zum Adjunkten und Polizeikommissär ernannt. Weil aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse die Zahl der Verbrechen deutlich stieg, engagierte sich Fitz vor allem für soziale Reformen im Armenwesen. So wollte er die Armenfürsorge von Spenden unabhängig machen. Gleichzeitig war geplant, eine Unterstützungsanstalt für die Armen zu gründen sowie für eine effizientere und bedarfsgerechtere Verteilung der Hilfsmittel zu sorgen. Doch mit seinen Vorschlägen konnte sich Fitz gegenüber dem Stadtrat nicht durchsetzen. Oft half er den Notleidenden mit eigenen Mitteln. Nicht leicht, denn Fitz (zwei Ehen, zehn Kinder) musste selbst um seine wirtschaftliche Existenz kämpfen. 

Der Kämpfer für Meinungsfreiheit

Der Dürkheimer kämpfte auch vehement für die Journalisten und die Pressefreiheit. So war er Gründungsmitglied des „Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins“. Die Organisation bemühte sich um eine deutschlandweite Neuordnung der liberalen Protestbewegungen und die Gründung liberaler Zeitungen. Fitz war Teilnehmer an konspirativen Sitzungen, gab Informationen weiter, schrieb auch Artikel. Zusammen mit Friedrich Wilhelm Knoebel rief er auch das Dürkheimer Filialkomitee ins Leben. Doch kurz nach dem Verbot des Vereins am 1. März 1832 verkündete Fitz öffentlich seinen Rücktritt von seinen Ämtern, blieb aber im Dürkheimer Stadtrat.

Der Autor und Liedermacher

Seine „Karriere“ als Protest-Liedschreiber begann Johannes Fitz schon vor dem Hambacher Fest. Sein erster Liedtext ist die „Michaelis-Hymne“. Ein Stück zu Ehren des Schutzpatrons des Dürkheimer Michaelis-Marktes, ein Vorläufer des Dürkheimer Wurstmarktes. Lieder als Ausdruck volkstümlichen Protestes gegen die Obrigkeit erfreuten sich damals großer Beliebtheit. So konnte man auf einprägsame Weise seinen Unmut über herrschende Missstände Ausdruck verleihen. Bemerkenswert die große Dichtkunst von Fitz, vor allem sein Winzerlied für das Hambacher Fest.

Der Siebenpfeiffer-Befreier

Schon vor dem Hambacher Fest rebelliert Fitz gegen die Obrigkeit, trifft sich mit Gleichgesinnten. So mit dem Heidelberger Studenten Karl Heinrich Brüggemann, der ein Jahr vor Hambach, am 1. Juli 1831, auf der nahegelegenen Dürkheimer Klosterruine Limburg eine flammende Rede hält und zum Aufstand aufstachelt. Brüggemann wurde später zum Tode verurteilt, doch bald darauf begnadigt. Im September 1832 beteiligt sich Fitz auch an der spektakulären Befreiung des Hambach-Patrioten Jacob Venedey aus dem Gefängnis in Frankenthal, organisiert seine Flucht nach Frankreich. Es wird sogar vermutet, dass Fitz auch an der Befreiung von Siebenpfeiffer beteiligt war, der ebenfalls im Frankenthaler Gefängnis einsaß. Aufgrund seiner Aktivitäten wurden gegen Fitz mehrere Prozesse angestrengt. Er muss nach Straßburg und Paris fliehen, um sich der drohenden Verhaftung zu entziehen. 1834 verurteilt man ihn in letzter Instanz in München zu neun Monaten Haft, die er aufgrund eines Gnadengesuches nur zum Teil verbüßen muss.

Der Sekt-Produzent

Ab 1832 unterhielt Fitz im benachbarten Pfeffingen ein Weingut. Zusammen mit seinem Cousin Georg Peter Fitz, der selbst ein Weingut betrieb, beschäftigte er sich mit der Sektproduktion. Angeregt wurde Fitz vor allem durch seine Aufenthalte in Frankreich, wo er sich über die Herstellung von Champagner informierte. 1837 kam der erste „Moussirende Haardt-Gebirgswein“ auf den Markt. Danach avancierte das Weingut zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten. Die Familie wurde sogar mit einem Verdienstorden geehrt. Aber dem Patrioten blieb dies aufgrund seiner politischen Vergangenheit verwehrt. Dennoch war er als Unternehmer sehr erfolgreich: In den 1860er Jahren exportierte das Weingut Fitz Sekt und Wein in die USA, unter anderem nach Cleveland und New York.

Gedenktag „Johannes Fitz“,
der vor 135 Jahren starb

Am 16. Mai 1868 starb Johannes Fitz im Alter von 72 Jahren im Dürkheimer Nachbarort Pfeffingen. Auf dem alten Ungsteiner Friedhof fand er seine letzte Ruhe. Doch kein Grabstein erinnert an den Patrioten. Die letzte Ruhestätte liegt unter einem Container für Grünabfall. Im nationalliberalen „Frankfurter Journal“ gedachte man damals seines Ablebens: „In Pfäffingen (…) bei Dürkheim starb Johannes Fitz, der Dichter und Bannerträger des Hambacher Festes (…). In Staat und Kirche, in der Gemeinde und Schule, von frühester Jugend an im besten Sinne tätig, blieb er bis an sein Ende mit seinem klaren Geiste dem edelsten Wollen treu.“  

Info zum Thema

Das Erbe für die
Nachfahren bewahrt

Die traditionsreiche Geschichte
der Dürkheimer Fitz-Familie

Das Weingut Fitz-Ritter in Bad Dürkheim kann wie kaum ein anderes noch bestehendes Weingut auf eine so bewegte Historie zurückblicken. Dem Hambacher Rebell Johannes Fitz folgten viele erfolgreiche Nachkommen. So führte Konrad Fitz mit seiner Frau Alice den Betrieb in über 40 Jahren zu internationaler Anerkennung. 2007 übernahm Johann Fitz von dem Senior das berühmte Weingut. Eine Konstante bei Fitz-Ritter ist der Blick über den Tellerrand, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen. Motto: Weltgewandt und trotzdem bodenständig. „Unsere Vorfahren reisten schon immer um die ganze Welt. Nur so kann man ein Feingefühl und Wertschätzung für das Regionale und Lokale entwickeln“, sagt Johann Fitz, der das Familienunternehmen jetzt in neunter Generation führt.  

Patrioten-Wein „Revoluzzer“: Die 25 Hektar Rebfläche bewirtschaftet man ökologisch. Fitz-Spitzenweine wurden oft prämiert (u. a. Riesling, Weiß- und Spätburgunder). Highlights sind der Fitz-Sekt oder die Patriotenweine wie „Roter Fitz“ (Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und St. Laurent) und „Revoluzzer“ (Cabernet Sauvignon, Merlot, Spätburgunder und Acolon). Alle in Pfälzer Eichenholzfässern gereift. Besucher sind herzlich eingeladen:  Sektmuseum, Vinothek, Flaschen-Schatzkammer und Holzfass-Keller sind einige der Attraktionen. Auskunft: info@fitz-ritter.de oder facebook.com/fitz-ritter

Aktueller Tipp: Empfehlenswert das Buch zum Thema: „Johannes Fitz, genannt der Rote“. Ausführliche Dokumentation vom Leben und Kampf des Freiheitshelden. Den Autoren Britta Hallmann-Preuß, Georg Karl Rings und Fritz Schumann gelang mit Text und erstmals veröffentlichten Bildern ein historisches Standardwerk der Extraklasse. Beilage zum Buch: CD „Johannes Fitz – Sieben deutsche demokratische Gesänge“, gesetzt von Nors S. Josephson, (u.a. mit Winzerlied, Deutsches Mailied). Eigenverlag, Stadt Bad Dürkheim, info@bad-duerkheim.de

Größtes Weinfass der Welt, größtes Weinfest der Welt, Kohls Spezialität „Saumagen“: Gleich gegenüber vom Weingut Fitz an der Weinstraße Nord steht das größte Holzfass der Welt. Fassungsvermögen: 1,700.000 Liter, allerdings befindet sich in diesem Fass kein Rebensaft, sondern ein Restaurant,  Spezialität: Helmut Kohls „Saumagen“. Direkt daneben der große Festplatz, wo im September der „Dürkheimer Wurstmarkt“ stattfindet, das größte Weinfest der Welt. Der Wurstmarkt ging traditionell aus dem Michaelismarkt hervor, für den Johannes Fitz die „Michaelis-Hymne“ schrieb. Als Motto verwendete Fitz den Spruch: „Wo man singt, da lasst euch ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“.

Erzengel Michael: Schutzpatron der Deutschen und des Hambacher Schlosses

Carlo Crivelli: Altarpolyptychon des Hl. Petrus vom Altar einer Dominikanerkirche in Ascoli, linker äußerer Flügel mit dem Erzengel Michael (1477), Tempera auf Holz, National Gallery London

„Gewähre uns, Herr Jesus, Retter aller und Erlöser, Dein heiliges Gehör und nimm unsere demütigen Bitten an, und durch das Eingreifen Deines Heiligen Erzengels Michael und die Hilfe aller himmlischen Heerscharen, biete unserem Banner Deine Rechte.“

Diese Sätze stammen aus einem Fahnensegen des 10. Jahrhunderts. Dass darin nicht nur Christus, sondern auch St. Michael angerufen wurde, ist alles andere als ein Zufall. Denn für das Mittelalter spielte sich in seinem Sieg über den apokalyptischen Drachen zugleich der Triumph des Gottessohnes über den Tod. Michael wurde als Oberbefehlshaber der Engelsheere betrachtet, der den christlichen Rittern und den irdischen Streitern zu Hilfe kommt. Michael ist auch Schutzheiliger des Volkes Israel und Volksheiliger der Deutschen. 

Der Heilige Michael ist auch Schutzpatron der im 11. Jahrhundert erbaute Kestenburg, später Hambacher Schloss genannt. Die Bischöfe von Speyer, Herren der Veste, weihten die Burgkapelle dem Erzengel. Viele Bischöfe residierten hier. Nikolaus von Wiesbaden empfing am 12. Juni 1388 in dem Burgkirchlein die Bischofsweihe. 

Doch im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 wurden die Kestenburg und die dem Heiligen Michael geweihte Kapelle von den Franzosen niedergebrannt. Erst am 9. Juli 1723 konnte sie wieder aufgebaut werden. Französische Revolutionäre plünderten und zerstörten diese aber am 30. Juli 1794 erneut. Die von den Gläubigen verehrte Figur des Erzengels banden sie dabei zum Spott an den Schweif eines Pferdes und ritten damit durch die Straßen von Hambach. Die Lästerung eines Heiligen sollte die Deutschen demütigen, denn Michael ist auch Schutzpatron der deutschen Könige und Kaiser. Karl der Große ließ 813 auf einer Synode Michael zum Schutzheiligen des erneuerten Imperiums bestimmen. 

Das wichtigste Michaelis-Heiligtum lag allerdings in Reichsitalien, auf dem Monte Gargano in Apulien. Doch bereits im Mittelalter gab es enge Verbindungen zwischen dem Michaelsberg in Italien, dem Mont Saint Michel in der Normandie und dem St. Michael’s Mount an der englischen Küste. Kein Zufall, dass die Michaeliskirchen und -kapellen im germanischen Raum erbaut wurden. Man vermutet, dass der kriegerische Charakter des Erzengels die germanischen Völker besonders ansprach. Ein Gedanke, der in Deutschland vor allem die Romantik beschäftigte, aber auch das preußische Königshaus. So war während des Ersten Weltkriegs Michael neben der Germania der wichtigste symbolische Ausdruck des deutschen Kampfwillens. Der Dichter Reinhold Schneider meinte, dass die Deutschen unter dem Schutz St. Michaels stehen. 

Der 29. September ist Michaelistag, den man auch auf Michaelismärkten feiert. Dazu dichtete der Hambach-Patriot Johannes Fitz aus Bad Dürkheim die „Michaelis-Hymne“. Sie wurde 1825 beim Fest des Schutzheiligen anlässlich des Dürkheimer Michaelismarktes uraufgeführt.

Als Motto verwendete der Winzer Fitz den Spruch „Wo man singt, da lasst euch ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“. Auch hier verurteilte der Patriot den hohen Weinzoll und schließt mit dem ironischen Satz „Darum ist in uns’rer Not nur wer trinkt ein Patriot.“ 

Aus dem Michaelismarkt wurde später der Dürkheimer Wurstmarkt, das größte Weinfest der Welt. Das Fitz-Weingut gibt es noch heute. Im Angebot: Fitz-Sekt und der Rotwein „Revoluzzer“. Und auf dem Dürkheimer Michelsberg steht auch noch immer die Michaeliskapelle. 


Neue Serie (Folge 1): Deutsche Patrioten

Karl Heinrich Brüggemann: Nach Hambach die Todesstrafe

Bereits am 1. Juli 1831, also ein Jahr vor dem Hambacher Fest, hielt Karl Heinrich Brüggemann eine flammende Rede zur Feier der Pariser Julirevolution in der Klosterruine Limburg bei Bad Dürkheim. Leider wird die politische Arbeit des Journalisten, Burschenschafters und Hambach-Aktivisten bis heute nicht gebührend gewürdigt. Denn Brüggemann gehört zu den großen deutschen Patrioten. 

Zeitgenössische Fotografie von Karl Heinrich Brüggemann
Foto: Wikipedia

So führte er 1832 eine Gruppe von mehr als 200 Heidelberger Studenten nach Hambach. Dort forderte Brüggemann in seinen Reden, die Freiheit und Einheit Deutschlands notfalls auch mit Gewalt zu erzwingen, versuchte nach dem Fest den Aufbau von revolutionären Strukturen zu organisieren. Der 1810 im westfälischen Hopsten geborene Sohn eines Arztes war auch Mitglied der Burschenschaften Germania und Franconia. Er widmete sich dem Studium der Schriften Johann Gottlieb Fichtes und verinnerlichte dessen Credo, wonach „die Revolution (…) nicht ein Recht, sondern eine Pflicht sein (solle)“. Brüggemann wurde auch redaktioneller Mitarbeiter von Siebenpfeiffer, dem Herausgeber des „Westboten“. 

„Karl Heinrich Brüggemann war der wirkungsvollste deutsche Jugendführer in dieser Zeit; ein kleiner Kerl, an Gesundheit schwächlich, aber zäh und verwegen, emporgetragen von einem ehernen, wahrhaft westfälischen Rechtsgefühl“, so der Historiker Veit Valentin in seinem Buch „Das Hambacher Nationalfest“ (1982, Buchgilde Gutenberg). Und Valentin schreibt begeistert: „Hellenentum und Germanentum galten Brüggemann als die beiden großen Erfüllungen der Weltgeschichte. Auf das Vorbild Englands in der Neuzeit wies er immer wieder hin.“ 

Wenige Wochen nach dem Hambacher Fest verhaftet man Brüggemann in Mannheim, und er wird an die preußische Justiz nach Berlin ausgeliefert. Weil er von dem Berliner Kammergericht seine Mitstreiter nicht verraten wollte, wurde er als „determiniertes Subjekt“ nach wiederholter Strafandrohung und tapferer Weigerung mit Einzelhaft in einer fensterlosen Gefängniszelle bestraft. 

Brüggemann verteidigte sich mit großer Gewandtheit und logischer Schlagkraft. Trotzdem verurteilte ihn das Kammergericht wegen Hochverrats zur Todesstrafe „mit dem Rade von oben her“! Mit dem Rade von oben her: Es war das einzige verschärfte Urteil dieser Art, gegen mehrere andere „Demagogen“ erkannte man auf die Todesstrafe durch das Beil. Brüggemann wurde zuerst zu lebenslänglichem, dann zu fünfzehnjährigem Festungsarrest begnadigt. 1836 übergab seine Schwester dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm persönlich fußfällig ein Gnadengesuch. Am 14. August 1840 entließ man ihn nach der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms in die Freiheit.

Danach studierte Brüggemann Rechtswissenschaften und wurde erfolgreich im Fach Nationalökonomie habilitiert. Aber aufgrund seiner revolutionären Biografie verwehrte man ihm den Zutritt zu einer akademischen Laufbahn. So wurde er schließlich Journalist und Chefredakteur der „Kölnischen Zeitung“ (1846-55). Doch auf Druck der preußischen Regierung musste Brüggemann auch diese Position aufgeben. Der tapfere Hambach-Patriot starb am 1. Juli 1887, fand seine letzte Ruhe auf dem Kölner Melaten-Friedhof. 


Hambach-Referent Markus Krall: „Es gilt die Säulen einer freien Gesellschaft zu retten“

Buch aktuell, kurz rezensiert:

„Die Freiheitsrechte erodieren, das monetäre System kollabiert, die Eliten versagen. Durch maßlose Umverteilung gleiten wir in eine neue Planwirtschaft ab“, kritisiert Bestseller-Autor Markus Krall in seinem neuen Buch „Die Bürgerliche Revolution“ – Wie wir unsere Freiheit und unsere Werte erhalten“ (272 Seiten, 22 Euro, Langenmüller). 

Der Autor, auch geschätzter Referent des „Neuen Hambacher Festes“: „Durch eine seit Jahrzehnten praktizierte sozialistische Politik steuern wir auf eine epochale Krise zu. Er ruft aber auch auf, die Krise als Chance zu nutzen. Dabei spricht Krall wie gewohnt Klartext und gibt eine fundierte Analyse unserer politischen und wirtschaftlichen Situation mit konkreten Vorschlägen, wie wir aus der Katastrophe kommen können, macht zudem deutlich, was die Gesellschaft und was jeder Einzelne von uns tun kann. „Es gilt, die Säulen einer freien Gesellschaft zu retten: Familie, Eigentum, Individualität, Religion und Kultur“, schreibt Krall. 

“Ein Reformprogramm für Deutschland – umfassend, durchdacht und auf den Punkt gebracht“, kommentiert Prof. Dr. Max Otte.